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zum NEWSarchiv / 27.11.2018:
Ausstellung über Zwangsarbeit in der DDR – Zeitzeugin und Ex-Gefangene berichtet

 

Rheinzabern. „Hammer-Zirkel-Stacheldraht“ – Zwangsarbeit politischer Häftlinge in der DDR, heißt eine Wanderausstellung zur historischen Bildung, die von der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur konzipiert worden ist. Noch bis zu den Weihnachtsferien sind die Bildtafeln im Atrium des Neubaus der IGS-Rheinzabern zu sehen.

 

Bei einer Einführungsveranstaltung am 27. November lauschten ca. 50 Schülerinnen und Schüler des Fachs Geschichte aus der Oberstufe und des 10. Jahrgangs gespannt, als die Zeitzeugin Manuela Polaszczyk nüchtern und faktenreich über ihre Jugend in der DDR berichtete, über ihre Unangepasstheit und Träume von Freiheit, die immer mehr zu Verwicklungen mit der Polizei und der Staatssicherheit (Stasi) führten.

 

Bei einem Fluchtversuch – als gute Schwimmerin wollte sie durch die Ostsee schwimmen – wurde sie verhaftet. Sie verweigerte ein Geständnis, das ihr zehn Jahre Haft gebracht hätte, wurde schließlich wegen Republikflucht zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt und landete im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck. Noch nicht 20 Jahre alt wurde sie in der Haft fürchterlich gedemütigt. Zusammen mit Schwerkriminellen und Kindsmörderinnen musste sie Zwangsarbeit leisten, bis sie von der Bundesrepublik freigekauft wurde. Zu denjenigen, die sie gegen ein paar Mark verpfiffen hatten, zählte auch ihr eigener Vater, was sie erst einige Jahre nach dessen Tod aus ihrer Stasi-Akte entnehmen konnte.

 

Für die Schüler ist die DDR heute ein fast unbekanntes Thema, weshalb Gerhard Beil, der die Ausstellung an die IGS vermittelte, in seiner Einleitung Stichworte ansprach, die bis 1989 gang und gäbe waren. So etwa Schreckensnamen wie Bautzen und Cottbus, zwei berüchtigte Haftanstalten, oder die vom Mond aus sichtbare Grenze des Kleinstaates DDR, Mauer, Stacheldraht, Schießbefehl, 17. Juni, Stasi, SED, Mangelwirtschaft, Hilfspakete, Reisebegrenzungen, Verhaftungen, Folter u.a.m.

 

Schulleiter Axel Weinstein hatte mit einem besinnlichen Stück von Claude Debussy auf das Zeitzeugengespräch eingestimmt.

 

Die Ausstellung ist auch für die Öffentlichkeit während der üblichen Schulzeit zugänglich. Gerne zeigt der Hausmeister den Weg. (gb)

>> Quelle: Pfalz-Express (Stand: 10.12.2018)

 

 

Von den Erzählungen und Einblicken sehr beeindruckt, nahmen die Schülerinnen und Schüler das Angebot der Zeitzeugin an, ein weiteres Mal in die Schule zu kommen, um noch offenstehende Fragen näher zu beantworten. So erschien Frau Polaszczyk eine Woche später erneut in der Schule und schenkte dem lauschenden Publikum weitere, teils sehr persönliche Einblicke in ihre Vergangenheit und sensibilisierte die Schülerinnen und Schüler dafür, Werte wie „Freiheit“, „Freizügigkeit“ und „Selbstverwirklichung“ nicht zu selbstverständlich zu nehmen und erinnerte daran, dass man für die Werte unserer Demokratie einstehen müsse. (LUC)

 






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